Entschleunigung: Das Zauberwort für mehr Gelassenheit

EntschleunigungWie viel Zeit nimmst du dir im Alltag für deine Aktivitäten?

Versuchst du alles schnell hinter dich zu bringen?

Oder kannst du das, was du tust, auch wirklich genießen, indem du es langsam und mit Achtsamkeit erledigst?

Zeitdruck und Hektik sind die Hauptursachen für Stress. Die Folgen daraus sind Verspannungen, allerlei körperliche Wehwehchen, Gereiztheit, Schlafstörungen, Nervosität …

Wenn du auch zu den gestressten Menschen gehörst, bist du in bester Gesellschaft, denn heutzutage ist es normal, dass jeder Zweite über Stress, Ruhelosigkeit und Zeitmangel klagt.

Man wird sogar als „produktiv“ und „fleißig“ angesehen, wenn man häufig im Stress ist. Menschen, die den ganzen Tag von Termin zu Termin jagen, sind oft nur auf der Suche nach Anerkennung und Macht.

Das Motto der heutigen Zeit lautet höher, schneller, weiter. Wir brauchen schnelleres Internet, schnellere Autos und das Essen holen wir uns am besten noch an einer Fast Food Bude ab.

Zu Letzterem hat sich in den vergangenen Jahren eine Gegenbewegung entwickelt. Nämlich vom Fast Food zum Slow Food. Das Konzept dahinter ist einfach. Essen soll wieder als Genuss verstanden werden, es geht um hochwertige, regionale Zutaten und um langsames, bewusstes Essen.

Ebenso gibt es einen Umschwung zur permanenten Beschleunigung in der Gesellschaft, nämlich der Trend nach Entschleunigung. Entschleunigungsseminare und Bücher zur Entdeckung der Langsamkeit sind gerade sehr gefragt.

Bequeme Erfindungen wie Internet, Handy, SMS und E-Mail sollen eigentlich Zeit einsparen. Studien zeigen aber, dass wir nicht mehr Freizeit haben als früher, sondern sogar weniger. Und wenn wir Freizeit haben, können wir sie dann wirklich genießen? Oder gehen wir vom Arbeitsstress direkt in den Freizeitstress über?

 

Wieso hetzen wir von einer Sache zu anderen, wenn wir dadurch nur gestresster werden und es am Ende keinen Zeitgewinn bringt?

Punkt 1:

Wir lenken uns gerne ab. Wenn wir abgelenkt sind, müssen wir uns nicht mit uns selbst, sprich mit unseren Problemen, Gedanken und Gefühlen auseinandersetzen.

Punkt 2:

Wir lassen uns von anderen mitziehen. Wir haben Angst etwas zu verpassen, wenn wir nicht alle paar Minuten aufs Handy schauen oder fünf Mal am Tag die E-Mails checken. Wir könnten ja eine „wichtige“ Nachricht verpassen und uns dann Sorgen machen, was der andere wohl denken könnte, wenn wir nicht gleich antworten. Diesen Druck legen wir uns natürlich selbst auf.

 

„Wer mit Langsamkeit und Bedacht handelt, wird ruhig. Wer ruhig wird, wird heiter und gelassen. Heiterkeit und Gelassenheit aber sind wie Schlüssel, die das Tor zum Glück öffnen.“ (Aljoscha Long, Ronald Schweppe)

 

Du siehst also, Hektik und Zeitdruck führen nur zu Stress und machen dich auf Dauer krank. Es gilt: In der Ruhe liegt die Kraft.

Die gute Nachricht ist: Die Hektik haben wir uns im Laufe des Lebens antrainiert und wir können sie somit auch wieder ablegen, wenn wir aktiv daran arbeiten. Ich will dir zeigen, was Entschleunigung ist, wie du die Langsamkeit wieder für dich entdecken kannst und somit für einen entspannteren Alltag sorgst.

 

Was bedeutet Entschleunigung?

Entschleunigung bedeutet wieder zur Langsamkeit zurückzufinden, Dinge mehr wertzuschätzen und bewusst auszuführen. Das heißt nicht, dass du ab jetzt alles in Zeitlupe machen musst. Es geht darum abzuwägen, was dir wichtig ist und dir dann bewusst Zeit für diese Sachen zu nehmen. Verfolge nur eine Tätigkeit gleichzeitig, dafür mit voller Konzentration und Achtsamkeit.

Wie kann man nun am besten entschleunigen? Die anschließenden Tipps und Übungen zeigen, wie es geht.

Übung 1

Filtere deine To-do Liste und plane mehr Zeit ein

Wenn du das nächste Mal eine To-do Liste erstellst, schreibe die wichtigsten Dinge ganz nach oben. Filtere die Liste und schreibe nur Dinge auf, die dir und deinem Wohlbefinden etwas bringen. Löse dich von den Erwartungen anderer und prüfe genau, was DIR gut tut und was nicht.

Vielleicht kannst du eine Fernsehsendung aus deiner Liste streichen oder statt fünf Mal nur einmal am Tag die E-Mails checken. Plane dann für jede Tätigkeit zehn Minuten mehr ein als gewöhnlich. So kannst du zum Beispiel ganz entspannt und konzentriert aufräumen, ohne dass dir die Zeit ständig im Nacken klebt. Du wirst sehen, wie entspannend und befreiend selbst einfache Tätigkeiten werden können.

 

Tipp:

Nimm dir für jede Tätigkeit wirklich die Zeit, die du dir vorgenommen hast, und versuche nicht wieder Zeit gutzumachen, um vielleicht doch noch andere Dinge zusätzlich tun zu können.

 

Übung 2

Entschleunigung gegen Rastlosigkeit – Trainiere deine Geduld

  • Wenn du merkst, dass sich deine Gedanken gerade überschlagen und du ganz ungeduldig wirst, kannst du die Gelegenheit nutzen, um deinen Gedanken gezielt zuzuhören, indem du ihnen Achtsamkeit und Offenheit entgegen bringst.
  • Nimm einen tiefen Atemzug, wenn du das nächste Mal in einen Stau oder an eine rote Ampel gerätst. Nutze die Zeit und schau dir dann deine Umgebung genau an. Achte auf Vögel, schöne Pflanzen, die Sonne, die Wolken, …
    Erfreue dich an den kleinen Dingen am Wegesrand.
  • Wenn das nächste Mal das Telefon klingelt, lass es ein paar Mal klingeln, nimm einen tiefen Atemzug und beginne erst dann das Gespräch.
  • Praktiziere täglich Achtsamkeitsübungen. Damit entwickelst du ganz automatisch ein Bewusstsein dafür, was dir gut tut und du findest wie von selbst das richtige Tempo für deine Aktivitäten.
  • Meditation ist das beste Training, um geduldiger zu werden! Beginne mit kleinen Einheiten und versuche diese konzentriert durchzuhalten. Wenn du das schaffst, kannst du dich langsam steigern.

 

Übung 3

Entschleunigung im Urlaub

Urlaub soll in erster Linie der Entspannung und Erholung dienen. Es gibt aber auch Menschen, die auf Reisen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzen und nach dem Urlaub gestresster sind als davor.

Natürlich gibt es auch Aktivurlaube und es spricht absolut nichts dagegen Sehenswürdigkeiten anzuschauen, schließlich machen diese einen großen Reiz an unbekannten Orten aus. Dennoch sollte die Ruhe im Urlaub nicht zu kurz kommen.

Folgende Entschleunigungstipps sorgen für mehr Erholung im Urlaub:

  • Setze dich in ein schönes Café, beobachte die Leute und lass die Atmosphäre des Ortes auf dich wirken.
  • Gönne dir ein gutes Essen. Ernähre dich nicht nur von Fast Food, sondern genehmige dir ein schönes landestypisches Gericht. Lass es dir so richtig schmecken.
  • Teile dir die Zeit lieber großzügig ein, anstatt zu knapp. Sonst hast du immer das Gefühl etwas zu verpassen und fühlst dich gehetzt. Schau dir lieber eine Sache weniger an, dafür aber intensiver und entspannter.

 

Übung 4

Entschleunigung der Zeit

Suche dir 5 Tätigkeiten aus, die du heute unbedingt erledigen willst. Versuche dann jede Tätigkeit ganz langsam und bewusst auszuführen. Verlangsame nicht nur die körperlichen Bewegungen, sondern probiere auch deine Gedanken zu beruhigen. Lass dich dabei nicht ablenken. Wenn zum Beispiel das Telefon klingelt, lässt du es einfach klingeln.

 

Beispiele:

  • Wenn du etwas liest, sei ganz aufmerksam und mache nebenher nichts anderes. Nimm dir Zeit, versuche den Text nicht zu überfliegen, sondern lese das, was dich interessiert ganz konzentriert.
  • Wenn du das Geschirr spülst, dann nimm dir auch dafür bewusst Zeit. Spüre, wie das Wasser über deine Hände läuft, nimm die Temperatur des Wassers wahr und beobachte, wie es schäumt. Versuche gedanklich ganz bei dem zu sein, was du gerade machst.
  • Wenn du deine Pflanzen gießt, nutze die Gelegenheit die Pflanzen genau zu betrachten und jede Kleinigkeit wie neue Blätter oder Knospen wahrzunehmen. Lass dir dabei Zeit.

Allein durch diese Übung kannst du deinen Alltag wesentlich intensiver erleben und viel Stress abbauen.

 

Übung 5

Bedenke die Kürze deines Lebens

Stell dir vor, wie du am Ende deines Lebens zurückblickst, auf alles was du erlebt hast, auf Personen, die du gerne mochtest und auf das, was du im Leben erreicht hast. Was denkst du, auf was du besonders stolz sein wirst? Was hat dich im Leben glücklich gemacht? Nimm dir ein paar Minuten Zeit, um über diese Fragen nachzudenken.

Ist es deine berufliche Karriere, in die du sehr viel Zeit investiert hast?
Ist es das Geld oder dein Auto mit 300 PS?
Ist es dein Streben nach Perfektion?

Oder sind es vielleicht Dinge wie schöne Reisen, die Beziehung zu deinem Partner, Familie, Freunde, Zeit für deine Hobbys?

Mach dir Gedanken darüber und überprüfe, was du wirklich brauchst, um glücklich zu sein. Dann kannst du dein Leben stärker danach ausrichten, ohne dass du später das Gefühl haben musst, etwas verpasst zu haben.

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